Aus den Texten von Norbert Paul

Schamanismus lernen — ohne fremde Traditionen zu kopieren

Warum die Bitte nativer Medizinleute — „findet eure eigenen Wurzeln“ — der Anfang von NAPUR war.

Schamanismus ist populär — und das Angebot an „schamanischen Erlebnissen“ wird immer breiter und bunter. Bei meinen Begegnungen mit nativen Medizinmännern und -frauen rund um den Globus war mit der freizügigen Weitergabe ihres Wissens jedoch immer auch eine Bitte verbunden: aus dem, was sie mir zeigen, zu lernen, um meine eigenen spirituellen Wurzeln zu finden und zu erneuern — und ihre heiligen Riten, Bräuche und Arbeitsweisen zu achten, sie weder zu kopieren noch nachzumachen. Diese Bitte habe ich immer in Ehren gehalten. Sie ist der Grund, weshalb der Neue Abendländische Schamanismus entstanden ist: als eigenständiger Weg, der im westlichen Kulturkreis verankert ist.

Warum Nachmachen nicht funktioniert

Wer sich in einer nativen Stammeskultur bewegt, erkennt schnell: Dort leben alle im Einklang mit der Natur und Schöpfung — konform mit den jahreszeitlichen Rhythmen, den klimatischen Bedingungen, den pflanzlichen, tierischen und spirituellen Gegebenheiten ihres Ortes. Ihre heiligen Riten entstanden über Jahrhunderte und Jahrtausende genau in diesem Umfeld, und diese Verbundenheit leben sie tagtäglich.

Und wir? Wie verbunden sind wir mit der Schöpfung — wie bewusst leben wir den Einklang mit ihr? Wie gut kennen wir uns selbst und unseren Platz im großen Ganzen? Echter Schamanismus baut auf dem Sein im Einklang mit der Schöpfung auf, wie sie sich jeweils vor Ort zeigt. Wir in den westlichen Industrienationen sind von dieser Verbundenheit weit entfernt — auch wenn manche sie noch in sich spüren. Wie sinnvoll kann es da sein, ohne diese Grundlagen die Rituale anderer Kulturen nachzumachen — oder einfach auf Altbekanntes einen „Schamanismus-Aufkleber“ zu kleben?

Erst die Grundlagen — dann das Ritual

Damit schamanische Rituale und Bräuche für uns hier und heute wieder Sinn ergeben — und nicht nur einen konsumierbaren Erlebniswert haben —, müssen erst die Grundlagen wieder aufgebaut werden.

So gebildet und fortschrittlich wir uns vorkommen: Wir müssen am Anfang beginnen. Mit einem Weltbild, das der Schöpfung nahekommt, damit wir unseren Blick erweitern können. Damit, uns selbst wieder zu verstehen — auf stofflicher, energetischer, geistiger und spiritueller Ebene. Das sprengt den Rahmen dessen, was „Schamanismus“ allein leisten kann. NaturSpiritualität ist für mich deshalb der passende Begriff und der nächste Schritt: Sie schafft das tragfähige Wissen, auf dem sich eine neue, zeitgemäße Form von Schamanismus entwickeln und seine Bedeutung entfalten kann.

Es überrascht mich immer wieder, wie wenig die meisten Menschen über die alltäglichsten Dinge wissen — besonders über sich selbst — und wie leicht sie deshalb beeinflussbar sind. Wenn du davon genug hast und dich selbst, das Leben und die Schöpfung kennen und verstehen willst: Genau dafür ist dieser Weg da. Erst Wissen aufbauen, dann erleben, dann verstehen — dann kannst du es selbst.

Das Ziel: Menschwerdung

Das Ziel des Neuen Abendländischen Schamanismus ist nicht das Ritual und nicht das Erlebnis — es ist die Menschwerdung. Du bist ein untrennbarer Teil der Natur und Schöpfung; erst wenn du diese Verbindung wieder aufnimmst, kannst du anfangen, wieder ganz Mensch zu werden — im Einklang mit ihr, mit allem Wissen, allen Fähigkeiten und der Verantwortung, die dazugehören.

„Nur das Echte zählt, lebe es wild und frei, in Liebe und Achtsamkeit — und lerne es zu behaupten!"
Norbert Paul

Norbert Paul ist Urheber der Zeitgemäßen NaturSpiritualität nach dem Neuen Abendländischen Schamanismus — sechs eigene Bücher, ein eigenes Lehrsystem, Jahrzehnte gelebter Praxis.

Post von Norbert

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