Schamanismus ist populär — und das Angebot an „schamanischen Erlebnissen“ wird immer breiter und bunter.
Bei meinen Begegnungen mit nativen Medizinmännern und -frauen rund um den Globus war mit der freizügigen Weitergabe ihres
Wissens jedoch immer auch eine Bitte verbunden: aus dem, was sie mir zeigen, zu lernen, um meine eigenen spirituellen Wurzeln
zu finden und zu erneuern — und ihre heiligen Riten, Bräuche und Arbeitsweisen zu achten, sie weder zu kopieren noch
nachzumachen. Diese Bitte habe ich immer in Ehren gehalten. Sie ist der Grund, weshalb der Neue Abendländische Schamanismus
entstanden ist: als eigenständiger Weg, der im westlichen Kulturkreis verankert ist.
Warum Nachmachen nicht funktioniert
Wer sich in einer nativen Stammeskultur bewegt, erkennt schnell: Dort leben alle im Einklang mit der Natur und Schöpfung —
konform mit den jahreszeitlichen Rhythmen, den klimatischen Bedingungen, den pflanzlichen, tierischen und spirituellen
Gegebenheiten ihres Ortes. Ihre heiligen Riten entstanden über Jahrhunderte und Jahrtausende genau in diesem Umfeld, und diese
Verbundenheit leben sie tagtäglich.
Und wir? Wie verbunden sind wir mit der Schöpfung — wie bewusst leben wir den Einklang mit ihr? Wie gut kennen wir uns selbst
und unseren Platz im großen Ganzen? Echter Schamanismus baut auf dem Sein im Einklang mit der Schöpfung auf, wie sie sich
jeweils vor Ort zeigt. Wir in den westlichen Industrienationen sind von dieser Verbundenheit weit entfernt — auch wenn manche
sie noch in sich spüren. Wie sinnvoll kann es da sein, ohne diese Grundlagen die Rituale anderer Kulturen nachzumachen — oder
einfach auf Altbekanntes einen „Schamanismus-Aufkleber“ zu kleben?
Erst die Grundlagen — dann das Ritual
Damit schamanische Rituale und Bräuche für uns hier und heute wieder Sinn ergeben — und nicht nur einen
konsumierbaren Erlebniswert haben —, müssen erst die Grundlagen wieder aufgebaut werden.
So gebildet und fortschrittlich wir uns vorkommen: Wir müssen am Anfang beginnen. Mit einem Weltbild, das der Schöpfung
nahekommt, damit wir unseren Blick erweitern können. Damit, uns selbst wieder zu verstehen — auf stofflicher, energetischer,
geistiger und spiritueller Ebene. Das sprengt den Rahmen dessen, was „Schamanismus“ allein leisten kann. NaturSpiritualität
ist für mich deshalb der passende Begriff und der nächste Schritt: Sie schafft das tragfähige Wissen, auf dem sich eine
neue, zeitgemäße Form von Schamanismus entwickeln und seine Bedeutung entfalten kann.
Es überrascht mich immer wieder, wie wenig die meisten Menschen über die alltäglichsten Dinge wissen — besonders über sich
selbst — und wie leicht sie deshalb beeinflussbar sind. Wenn du davon genug hast und dich selbst, das Leben und die Schöpfung
kennen und verstehen willst: Genau dafür ist dieser Weg da. Erst Wissen aufbauen, dann erleben, dann verstehen — dann kannst du es selbst.
Das Ziel: Menschwerdung
Das Ziel des Neuen Abendländischen Schamanismus ist nicht das Ritual und nicht das Erlebnis — es ist die
Menschwerdung. Du bist ein untrennbarer Teil der Natur und Schöpfung; erst wenn du diese Verbindung wieder
aufnimmst, kannst du anfangen, wieder ganz Mensch zu werden — im Einklang mit ihr, mit allem Wissen, allen
Fähigkeiten und der Verantwortung, die dazugehören.
„Nur das Echte zählt, lebe es wild und frei, in Liebe und Achtsamkeit — und lerne es zu behaupten!"
Norbert Paul ist Urheber der Zeitgemäßen NaturSpiritualität nach dem Neuen Abendländischen Schamanismus —
sechs eigene Bücher, ein eigenes Lehrsystem, Jahrzehnte gelebter Praxis.
Post von Norbert
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